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Wilhelm Meisters Lehrjahre 3

Wilhelm Meisters Lehrjahre 3
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Zwölftes Kapitel
 
 

Erstes Kapitel 

Dieser Mensch, den wir schon aus dem vorigen Buche als Philinens Liebling kennen, pflegte gewöhnlich Pedanten, Magister und Poeten zu spielen und meistens die Rolle zu übernehmen, wenn jemand Schläge kriegen oder begossen werden sollte.
 
Er hatte sich gewisse kriechende, lächerliche, furchtsame Bücklinge angewöhnt, und seine stockende Sprache, die zu seinen Rollen paßte, machte die Zuschauer lachen, so daß er immer noch als ein brauchbares Glied der Gesellschaft angesehen wurde, besonders da er übrigens sehr dienstfertig und gefällig war. Er nahte sich auf seine Weise dem Grafen, neigte sich vor demselben und beantwortete jede Frage auf die Art, wie er sich in seinen Rollen auf dem Theater zu gebärden pflegte.
 
Der Graf sah ihn mit gefälliger Aufmerksamkeit und mit überlegung eine Zeitlang an, alsdann rief er, indem er sich zu der Gräfin wendete: "Mein Kind, betrachte mit diesen Mann genau; ich hafte dafür, das ist ein großer Schauspieler oder kann es werden."
 
Der Mensch machte von ganzem Herzen einen albernen Bückling, so daß der Graf laut über ihn lachen mußte und ausrief: "Er macht seine Sachen exzellent! Ich wette, dieser Mensch kann spielen, was er will, und es ist schade, daß man ihn bisher zu nichts Besserm gebraucht hat."
 
 
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